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Die Macht der Philosophie

DR Jarosław Marek Spychała

Das ist die Homepage von Dr. Jarosław Marek Spychała, einem polnischen Philosophen und Schriftsteller. Der Name der Seite stammt vom Titel seines ersten Buches: „Die Höhle. Der Weg der Rebellen”.

DIE HÖHLE. DER WEG DER REBELLEN von Jarosław Marek Spychała. Das Werk ist ein Novum – Philosophie Art Graphic Novel, das man als eine Heldenreise, einen Aufbruch der Argonauten, eine Suche nach dem heiligen Gral der Philosophie beschreiben kann. Es ist ein bildgewaltiges Abenteuer im Stil von Star Wars, Harry Potter, Matrix, Indiana Jones, Game of Thrones, Der Name der Rose von Umberto Eco – oder wie ein Fall von Sherlock Holmes.


Vorwort

Ich werde mich wohl nicht irren, wenn ich behaupte, dass die Philosophie seit ihren allerersten Anfängen von einem Phänomen begleitet wird: Ein neuer Philosoph stellt die philosophischen Auffassungen seines Vorgängers in Frage. Fast jeder neue Philosoph behauptet, dass alle vor ihm sich geirrt hätten, während er recht habe und die Wahrheit erkannt habe. Man sieht dies etwa bei Platon, Descartes, Kant oder Hegel.

In der zeitgenössischen akademischen Welt hat dieses Phänomen eine etwas andere Gestalt angenommen. Es äußert sich darin, dass, wenn ein Philosoph Philosophie anders betreibt als ein anderer, der zweite behauptet, der erste sei überhaupt kein Philosoph. Mit anderen Worten: Man sagt nicht mehr nur, dass ein bestimmter Philosoph unrecht habe, sondern spricht ihm gleich das Recht ab, Philosoph zu sein.

Diskussionen, Streitigkeiten und Debatten sind für die Philosophie zweifellos belebend, doch bin ich in meiner eigenen philosophischen Tätigkeit weit davon entfernt, irgendjemanden darüber belehren zu wollen, was wahre Philosophie ist und was keine wahre Philosophie sei. Und erst recht sehe ich keinen Grund, einem anderen Philosophen das Recht abzusprechen, Philosoph zu sein.

Natürlich habe ich mein eigenes Verständnis von Philosophie und meine eigene Art, Philosophie zu betreiben, doch behaupte ich nicht, dass dies die einzig mögliche oder einzig richtige sei.

Mein Buch ebenso wie meine philosophische Tätigkeit insgesamt sollten als eine Form der Popularisierung der Philosophie verstanden werden: als ein Versuch, Interesse an der Philosophie zu wecken und zur Philosophie zu inspirieren. Dabei bin ich sowohl von Philosophen abhängig, die vor mir gelebt haben, als auch von jenen, die heute leben. Eine der wichtigsten Inspirationen, auf deren Grundlage dieses Buch entstanden ist, verdanke ich Platon.

Platon bezeichnete seine zentrale Metapher, die im Deutschen als „Höhlengleichnis“ bekannt ist, wörtlich als „Bild der Höhle“ oder „Höhlenbild“. Er verwendete dafür ein Wort, das auf Griechisch „hē eikōn“ (ἡ εἰκών) lautet und „Bild“ bedeutet. Wahrscheinlich folgte Platon hier einer im Griechischen angelegten Intuition, wonach die grundlegende Metapher für Erkenntnis und das Verstehen der Wirklichkeit die Metapher des Sehens ist.

Im Altgriechischen bedeutet das Verb „idein“ (ἰδεῖν) so viel wie sehen. In der ersten Person Singular des Präsens lautet es „horaō“ (ὁράω) und bedeutet „ich sehe“. Dasselbe Verb, das unregelmäßig konjugiert wird, lautet in der ersten Person Singular des Aorists, also der vollendeten Vergangenheitsform, „oida“ (οἶδα). Der Logik der deutschen Sprache folgend, müsste man dies als „ich habe gesehen“ übersetzen, da es sich um eine vollendete Vergangenheitsform des Verbs „sehen“ handelt. Tatsächlich übersetzen wir es jedoch mit „ich weiß“.

Mit anderen Worten: Die griechische Sprache erkennt einen Zusammenhang, dem zufolge gilt: Wenn ich etwas gesehen habe, dann weiß ich nun, wie es aussieht. Anders gesagt: Um etwas über etwas zu wissen, muss man es zunächst gesehen haben.

Diese Intuition findet sich ebenso in den modernen Sprachen Deutsch, Englisch oder Polnisch wieder. Auf Englisch sagen wir „yes, I see“, was sowohl „ich sehe“ als auch „ich verstehe“ oder „ich weiß“ bedeuten kann.

Ganz ähnlich können wir im Deutschen sagen „ich sehe“, was zunächst „ich sehe“ bedeutet, in einem bestimmten Kontext jedoch auch „ich verstehe“ oder „ich weiß“ heißen kann – etwa: „Jetzt sehe ich, was du meinst“, „Jetzt sehe/verstehe ich, was du meinst“ oder: „Jetzt sehe/weiß ich, was du meinst“.

Dieser Intuition folgend habe ich mein Buch so aufgebaut, dass es sich in erster Linie durch Bilder an die Leserinnen und Leser wendet, die – so hoffe ich – nicht nur das Verständnis der Geschichte der Philosophie erleichtern, sondern auch die ersten Schritte im eigenen Philosophieren.

Dr. Jarosław Marek Spychała

„Die Höhle. Der Weg der Rebellen.” im Überblick

Das Buch selbst handelt von Platons Höhlengleichnis und besteht aus zwei Teilen:
Im ersten Teil (= das Wort/der Verstand) zeigt Spychała, wie die Metapher des Höhlengleichnisses entstanden ist, welche Bedeutung sie hat und wie sie sich noch bis heute auf die Philosophie, aber auch auf moderne Filme und die Literatur auswirkt.
Im zweiten Teil (= das Bild/das sammelt der Autor weitere Metaphern (u.a. von Platon, Descartes, Nietzsche, Heidegger usw.), die wiederum auf Platons Höhlengleichnis aufbauen. Diese neuen Metaphern werden sowohl von mir kommentiert als auch mit Grafiken illustriert und in einen neuen Kontext mit dem Höhlengleichnis gesetzt. Alle im Buch verwendeten Grafiken wurden speziell daf ür gefertigt und stellen eine erste Sammlung philosophischer Illustrationen (Philosophiesche Pinakothek) in diesem Rahmen dar. Dadurch entsteht zwischen dem Wort und dem Bild eine ekstatische Spannung, die alle Ketten, die uns beschränken, frei zu denk en, bricht und damit beginnt der Aufbruch der Argonauten zum Heiligen Gral der Philosophie.

„Die Höhle. Der Weg der Rebellen” ist nach den Worten des 47-jährigen, polnischen Autors Jaroslaw Marek Spychala eine „art graphic Novelle”. Es fundiert auf dem Höhlengleichnis Platons und soll darauf basierend Denkanstöße liefern, in Bezug auf philosophische Kernthemen, wie auch deren Gültigkeit in der Moderne. Sein Ziel ist es die Neugierde des Lesers für die Philosophie zu erwecken und deren allgegenwärtige Bedeutung für das Leben aufzuzeigen. Die Wahl des Höhlengleichnisses als Ausgangspunkt für seine Argumentation ist darauf begründet, dass die meisten philosophischen Strömungen und Annahmen in ihrem Kern auf Platons Gleichnis zurückgeführt werden können.

Das Buch ist in zwei grundlegende Teile gegliedert. Der erste Teil des Buchs soll einen Blick zu Platons Idee und der Mythenkultur zur Zeit der Entstehung der elementarsten Philosophien liefern. Es werden diverse Beispiele für Interpretationsmöglichkeiten geliefert. Insbesondere durch die wissenschaftliche Schreibweise des Autors, soll der Leser angeregt werden, sich seine eigenen Gedanken zu machen. Dies wird vereinfacht durch die Verknüpfung mit der Moderne, durch Anspielungen und Metaphern zu Filmen oder Literatur wie bspw. „Star Wars”, „Der Name der Rose”, oder „Die unendliche Geschichte”.

Der zweite Teil des Buchs besteht hauptsächlich aus Illustrationen und dem Kommentar des Autors zu diesen. Der Bezug zur Moderne sticht hier noch weiter heraus, denn wer genau hinschaut wird unzählige Metaphern (u.a. von Descartes, Nietzsche, Heidegger) erkennen, welche zwar schon seit ein paar hundert Jahren bestehen, jedoch heute eventuell noch mehr Gültigkeit haben, als damals.

Durch die beeindruckenden Illustrationen soll der Leser inspiriert werden, dem Individualitätsverlust entgegenzuwirken und sich seine eigene Lebensphilosophie zu erarbeiten. Dies steht auch in starkem Zusammenhang mit Platons Philosophie: „Sehen ist der Weg des Verstehens”. Deswegen hat der Autor bewusst Bilder in den Vordergrund seines Werks gestellt.

Durch die Zweiteilung des Werks entsteht eine Spannung zwischen Wort (Verstand) und Bild (Herz), welche in einer Ekstase mündet, „die den Leser von seinen Ketten befreit, um selbst zur Erkenntnis zu gelangen”.

(…) Ich würde das Buch vor allen denjenigen empfehlen, die sich für Philosophie interessieren oder sich schon mit ihr auseinandergesetzt haben. Auch für komplette Neueinsteiger ist das Werk bereichernd, insbesondere der zweite Teil des Buchs mit seinen vielschichtigen Illustrationen sticht hier hervor.

Text: Björn Kaminsky

Wie kann man mein Buch lesen? Einen gewissen Hinweis gibt Friedrich Nietzsche.

„Ein Buch wie dieses ist nicht zum Durchlesen und Vorlesen sondern zum Aufschlagen, namentlich im Spazierengehen und auf Reisen; man muß den Kopf hinein- und immer wieder hinausstecken können und nichts Gewohntes um sich finden.”

(Friedrich Nietzsche: Werke in drei Bänden. München 1954, Band 1, Morgenröte. Gedanken über die moralischen Vorurteile, § 454, S. 1231 – hier)

Grafik wurde von Jarosław Marek Spychała mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt.

Diese Grafik erscheint nicht im Buch und wurde ausschließlich für diese Website erstellt. © Jarosław Marek Spychała. Alle Rechte vorbehalten.

Ziel meines Buches ist es unter anderem, die Leserin oder den Leser dazu zu inspirieren, den eigenen philosophischen – oder weiter gefasst: den eigenen Lebensweg – zu finden. Es geht mir nicht darum zu zeigen, welcher Weg der richtige ist, sondern darum bewusst zu machen, dass das Gehen eines Weges, ohne ihn bewusst zu wählen, in Wirklichkeit nichts anderes ist als ein Umherirren im Wald.


DER WEG

Sprenge deine Ketten!

finde deinen Weg!

Gib nicht auf!

Die Grafik wurde von Piotr Przemysław Kamiński erstellt. Diese Grafik erscheint im Buch auf Seite 306-307. © Jarosław Marek Spychała. Alle Rechte vorbehalten.

das Man

Nicht selten tun wir in unserem Leben bestimmte Dinge, weil wir meinen, man müsse sie eben so tun. Fragt man jedoch genauer nach den Gründen unseres Handelns, so können wir es kaum anders rechtfertigen als mit dem Hinweis: weil man es heute so macht. Dieses ›Man‹ – dieses ›so macht man es‹, ›so denkt man‹, ›so spricht man‹ – bedeutet in Wahrheit ein Absehen vom eigenen Tun, ein Absehen vom eigenen Denken, ein Absehen vom eigenen Sprechen.

Wir sprechen, wie man spricht, doch wir sprechen nicht aus uns selbst heraus; sondern wir überlassen uns einer Sprache, die uns unbemerkt beherrscht, knechtet und geradezu versklavt. Das Dasein verliert sich so im ›Man‹, in der Unauffälligkeit des Alltäglichen.

Wenn wir unseren eigenen Lebensweg finden wollen, können wir keinen Weg deshalb gehen, weil ›man ihn heute geht‹, sondern nur deshalb, weil wir ihn eigens und bewusst wählen. Dieses ›Man‹ ist eine existenziale Kategorie, die Martin Heidegger erkannt und in Sein und Zeit eindringlich beschrieben hat.

Die Grafik wurde von Piotr Przemysław Kamiński erstellt. Diese Grafik erscheint im Buch auf Seite 140. © Jarosław Marek Spychała. Alle Rechte vorbehalten.

„Das man”

Martin heidegger

das Umherirren

In gewissem Sinne ist nicht so sehr entscheidend, welchen Weg wir wählen – ob er der kürzeste oder der längste ist –, sondern ob wir diesem Weg im Leben konsequent folgen. Wenn wir abnehmen wollen und deshalb mit sportlichem Training beginnen oder eine bestimmte Diät einhalten, diese Aktivitäten jedoch plötzlich auf halbem Weg abbrechen, wird es schwer sein, das angestrebte Ergebnis zu erreichen.

„Ich ahmte hierin Wanderer nach, die, wenn sie sich in einem Wald ver irrt haben, weder umherirren und sich mal in die eine Richtung und mal in eine andere drehen, noch an einem Platz stehenbleiben dürfen, sondern immer ganz geradeaus in dieselbe Richtung voranschrei ten müssen, soweit sie es können, und diese Richtung keineswegs aus schwachen Gründen ändern dürfen, obgleich es zu Beginn vielleicht nur der bloße Zufall gewesen ist, der sie hatte entscheiden lassen, ihn zu wählen. Denn dadurch gelangen sie zwar nicht genau dort hin, wo hin sie wollen, aber sie kommen zumindest am Ende irgendwo an, wo sie wahrscheinlich besser aufgehoben sind als mitten im Wald.”

René Descartes, Discours de la Méthode, Übersetzt und herausgegeben von Christian Wohlers, Herausgegeben von Christian Wohlers (Philosophische Bibliothek 624) Felix Meiner Verlag, Hamburg 2011, S. 43–45.

Die Grafik wurde von Filip Bąk erstellt. Diese Grafik erscheint im Buch auf Seite 218-219.

© Jarosław Marek Spychała. Alle Rechte vorbehalten.

die Macht

Bleiben wir in der von Descartes im Discours de la méthode eingeführten Metapher des Waldes, so ließe sich sagen, dass auch andere durch diesen Wald gehen und jeder von ihnen seine eigenen Ziele verfolgt. Dem einen mag das Vorankommen leichter fallen, dem anderen schwerer. Dies jedoch sollte uns nicht beirren oder von unserem Weg abbringen. Wir sollten uns nicht mit anderen vergleichen. Wenn wir glücklich sein wollen, dann sollten wir unserem eigenen, bewusst gewählten Weg durch den Wald folgen. Umso mehr, da wir in Wirklichkeit nicht wissen, wonach die anderen im Wald suchen.

„Worum kämpfen die Bäume eines Urwaldes miteinander? Um „Glück“? – Um Macht!….”

Friedrich Nietzsche, Der Wille zur Macht Versuch einer Umwertung aller Werte, § 444 (hier).

Grafik wurde von Jarosław Marek Spychała mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt.

Diese Grafik erscheint nicht im Buch und wurde ausschließlich für diese Website erstellt. © Jarosław Marek Spychała. Alle Rechte vorbehalten.

Im Wald scheinen alle Bäume gleich zu sein. Deshalb werden wir erst dann beginnen, uns geschickt im Wald zu bewegen, wenn wir anfangen, die Unterschiede zwischen den Bäumen zu erkennen.

„Holz lautet ein alter Name für Wald. Im Holz sind Wege, die meist verwachsen jäh im Unbegangenen aufhören. Sie heißen Holzwege. Jeder verläuft gesondert, aber im selben Wald. Oft scheint es, als gleicher einer dem anderen. Doch es scheint nur so. Holzmacher und Waldhüter kennen die Wege. Sie wissen, was es heißt, auf einem Holzweg zu sein.”

Martin Heidegger, Holzwege., Herausgegeben von Friedrich-Wilhelm v. Herrmann, 9., unveränderte Auflage, (Klostermann, Rote Reihe 73) Frankfurt am Main 2015.

Grafik wurde von Grzegorz Marzewski erstellt.

Diese Grafik erscheint nicht im Buch und wurde ausschließlich für diese Website erstellt. © Jarosław Marek Spychała. Alle Rechte vorbehalten.

die Mut

Auf jedem Weg werden wir auf Dinge und Menschen treffen, die uns erschrecken wollen. Wenn wir der Angst nachgeben, werden wir entweder vom Weg abkommen oder zu Hause bleiben und letztlich nirgendwo ankommen. Das Ziel des Weges ist der Mut, den Weg zu gehen, den wir wirklich gehen wollen – nur dieser Weg kann uns zum Glück führen.

Als er (dh. Pythagoras), des Weges gehend, ein Hündchen mit Schlägen bedacht sah, Ließ er, von Mitleid erfaßt, gleich sich vernehmen wie folgt: Weg mit der Peitsche, mein Freund ist’s ja, dessen Seele du quälest.

Diogenes Laertius, Leben und Meinungen berühmter Philosophen, VIII 36, Herausgegeben von Reich, Klaus und Zekl, Hans Günter, in der Übersetzung von Otto Apelt unter Mitarbeit von Hans Günter Zekl neu herausgegeben sowie mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Klaus Reich, (Philosophische Bibliothek 674. 2015) S. 452.

Die Grafik wurde von Piotr Przemysław Kamiński erstellt. Diese Grafik erscheint im Buch auf Seite 180-181.

© Jarosław Marek Spychała. Alle Rechte vorbehalten.

Die Grafik wurde von Filip Bąk erstellt. Diese Grafik erscheint im Buch auf Seite 172-173. © Jarosław Marek Spychała. Alle Rechte vorbehalten.

die Einsamkeit

„Einsamkeit ist das Los aller hervorragenden Geister: sie werden solche bisweilen beseufzen; aber stets sie als das kleinere von zwei Übeln erwählen.”

Arthur Schopenhauer, Aphorismen zur Lebensweisheit, (hier)

Grafik wurde von Jarosław Marek Spychała mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt.

Diese Grafik erscheint nicht im Buch und wurde ausschließlich für diese Website erstellt. © Jarosław Marek Spychała. Alle Rechte vorbehalten. © Jarosław Marek Spychała. Alle Rechte vorbehalten.

das Schicksal

Kann man ohne Philosophie leben? Die Erfahrung des Lebens zeigt, dass selbst denen der Weg aus dem Wald gelingt, die keine Philosophie ihres eigenen Pfades besitzen. Doch Philosophie ist niemals eindeutig. Manche – wie Seneca oder Schopenhauer – sehen das Leben als etwas, auf das wir keinen Einfluss haben, und glauben, dass wir nur lernen können, es anzunehmen. Glück besteht für sie daher darin, Erwartungen zu reduzieren und sich dem Schicksal zu fügen.

„Das Schicksal mischt die Karten, und wir spielen.”

Arthur Schopenhauer, Parerga und Paralipomena, Aphorismen zur Lebensweisheit, Frankfurt/M., Leipzig, 1976, S. 198.

Grafik wurde von Grzegorz Marzewski erstellt.

Diese Grafik erscheint nicht im Buch und wurde ausschließlich für diese Website erstellt. © Jarosław Marek Spychała. Alle Rechte vorbehalten.

Andere hingegen – wie Nietzsche oder Schwarzenegger – verstehen Glück als das Ergebnis bewusster Entscheidungen und selbstgetroffener Wahlmöglichkeiten. Auf diese Weise liegt das Glück in unserer eigenen Hand: Wir selbst bestimmen, ob wir ihm folgen wollen.

„Die Leugner des Zufalls. – Kein Sieger glaubt an den Zufall.”

Friedrich Nietzsche: Werke in drei Bänden. München 1954, Band 2, Die fröhliche Wissenschaft (»la gaya scienza«), Drittes Buch, § 258, S. 157.

Grafik wurde von Jarosław Marek Spychała mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt.

Diese Grafik erscheint nicht im Buch und wurde ausschließlich für diese Website erstellt. © Jarosław Marek Spychała. Alle Rechte vorbehalten.

In einem ähnlichen Geist äußert sich auch der große österreichische Philosoph Arnold Schwarzenegger, der in seinen zahlreichen Reden gern betont, dass er, wenn jemand ihm auf Englisch sagt, etwas könne nicht getan werden, stets hört, dass es sehr wohl getan werden kann (When someone tells me it can’t be done, I hear that it can be done).

Don’t listen to the naysayers!

Arnold Schwarzenegger äußerte diese Formulierung erstmals öffentlich in dieser Form im Jahr 2009 während seiner Rede an der University of Southern California (USC) in Los Angeles, im Rahmen der Abschlussfeier.

Grafik wurde von Grzegorz Marzewski erstellt. Diese Grafik erscheint nicht im Buch und wurde ausschließlich für diese Website erstellt. © Jarosław Marek Spychała. Alle Rechte vorbehalten.

Ich habe einmal einen polnischen Motivationstrainer gehört, der sich in der Welt der akademischen Philosophie einer eher mäßigen Popularität erfreut, sagen, dass man, wenn man keinen bewussten Plan für Reichtum hat, einen unbewussten Plan für Armut besitzt. Ich weiß nicht, ob man diese Analogie weiterziehen und behaupten kann, dass man, wenn man keinen bewussten Plan für Glück hat, einen unbewussten Plan für Unglück hat. So würde ich die Rolle der Philosophie auf unserem Weg zum Glück wohl nicht formulieren. Dennoch lässt sich kaum ausschließen, dass wir, wenn wir ohne Plan, ohne eine Philosophie des Weges wandern, an einen Ort gelangen können, an den wir eigentlich nicht gelangen wollten – nur um festzustellen, dass der Weg zu Ende ist und wir am Ende unserer Wanderung stehen.

der Moment

Bei dieser Gelegenheit, ganz am Rande, kommt mir eine Szene aus dem Film „Blade Runner“ in den Sinn, in der einer der Hauptprotagonisten Roy Batty ist – eine künstliche Intelligenz in humanoider Gestalt. Batty hat den Kampf gewählt und ist während eines Teils seines kurzen Lebens genau diesen Weg des Kampfes gegangen. In der letzten Szene des Films sehen wir ihn in dem Moment, in dem der Held an die Grenze seiner Existenz gelangt und sich der Unausweichlichkeit der Sterblichkeit, der Unausweichlichkeit des Vergehens der Zeit bewusst wird und diesen Zustand akzeptiert. In diesem Augenblick hat er seinen letzten Kampf bereits gewonnen, und sein Peiniger liegt zu seinen Füßen – es genügte, sich zu rächen. Doch Batty rächt sich nicht, sondern verzeiht seinem Peiniger. Er begreift, dass der Kampf eine Verschwendung von Zeit war, und widmet die letzten Augenblicke seines Daseins etwas, das ich als „Kontemplation des Regens“ bezeichnen würde – dem Genießen des Augenblicks. Dies bringt er in seinen letzten Worten zum Ausdruck.

„Ich habe Dinge gesehen, die ihr Menschen niemals glauben würdet. Gigantische Schiffe, die brannten, draußen vor der Schulter des Orion. Und ich habe C-Beams gesehen, glitzernd im Dunkeln, nahe dem Tannhäuser Tor. All diese Momente werden verloren sein in der Zeit, so wie Tränen im Regen. Zeit zu sterben …”

I’ve seen things, you people wouldn’t believe, hmmm. Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I’ve watched see Beams glitter in the dark near the Tann hauser Gate. All those moments will be lost in time like tears in rain… Time to die…”

das Sehen

„Sokrates habe geträumt, er halte auf seinem Schoße das Junge von einem Schwan, das alsbald befiedert und flugkräftig geworden, in die Lüfte emporgestiegen sei mit schallenden Jubeltönen; und tags darauf sei ihm Platon vorgeführt worden; da habe er gesagt, dies sei der Vogel.”

Diogenes Laertius, Leben und Meinungen berühmter Philosophen, III 5, Herausgegeben von Reich, Klaus und Zekl, Hans Günter, in der Übersetzung von Otto Apelt unter Mitarbeit von Hans Günter Zekl neu herausgegeben sowie mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Klaus Reich, (Philosophische Bibliothek 674. 2015), S. 141.

Grafik wurde von Grzegorz Marzewski erstellt. Diese Grafik erscheint im Buch auf Seite 358-359. © Jarosław Marek Spychała. Alle Rechte vorbehalten.

Immanuel Kant, Träume eines Geistersehers, erläutert durch Träume der Metaphysik – Der Text stammt aus: Vorkritische Schriften. Band II. Hg. v. Artur Buchenau. Berlin: Bruno Cassirer 1912 (= Immanuel Kants Werke II). S. 329–390 u. 481–484 (hier).

„Wenn indessen die Vorteile und Nachteile in einander gerechnet werden, die demjenigen erwachsen können, der nicht allein vor die sichtbare Welt, sondern auch vor die unsichtbare in gewissem Grade organisiert ist, (wofern es jemals einen solchen gegeben hat), so scheint ein Geschenk von dieser Art demjenigen gleich zu sein, womit JUNO den TIRESIAS beehrte, die ihn zuvor blind machte, damit sie ihm die Gabe zu weissagen erteilen könnte. Denn nach den obigen Sätzen zu urteilen, kann die anschauende Kenntnis der andern Welt allhier nur erlangt werden, indem man etwas von demjenigen Verstande einbüßt, welchen man vor die gegenwärtige nötig hat. Ich weiß auch nicht, ob selbst gewisse Philosophen gänzlich von dieser harten Bedingung frei sein sollten, welche so fleißig und vertieft ihre metaphysische Gläser nach jenen entlegenen Gegenden hinrichten und Wunderdinge von daher zu erzählen wissen, zum wenigsten mißgönne ich ihnen keine von ihren Entdeckungen; nur besorge ich, daß ihnen irgendein Mann von gutem Verstande und wenig Feinigkeit ebendasselbe dürfte zu verstehen geben, was dem TYCHO DE BRAHE sein Kutscher antwortete, als jener meinte, zur Nachtzeit nach den Sternen den kürzesten Weg fahren zu können: Guter Herr, auf den Himmel mögt Ihr Euch wohl verstehen, hier aber auf der Erde seid Ihr ein Narr.”

Grafik wurde von Jarosław Marek Spychała mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt.

Diese Grafik erscheint nicht im Buch und wurde ausschließlich für diese Website erstellt. © Jarosław Marek Spychała. Alle Rechte vorbehalten.

Always

Kann es für die Philosophie zu spät sein? Kann man bereits zu alt für die Philosophie sein? Kann man bereits zu alt sein, um sich auf den Weg zu machen? Ich werde keine direkte Antwort geben, sondern den Inhalt eines kurzen Briefes anführen, den Akira Kurosawa gegen Ende seines Lebens an Ingmar Bergman geschrieben hat.

Sehr geehrter Herr Bergman,
bitte erlauben Sie mir, Ihnen zu Ihrem siebzigsten Geburtstag zu gratulieren.
Ihr Werk berührt mein Herz jedes Mal aufs Neue, wenn ich es sehe. Ich habe aus Ihren Filmen sehr viel gelernt und bin durch sie ermutigt worden. Ich wünsche Ihnen von Herzen beste Gesundheit, damit Sie weiterhin viele wunderbare Filme für uns schaffen können.

In Japan gab es einen großen Künstler namens Tessai Tomioka, der in der Meiji-Zeit (Ende des 19. Jahrhunderts) lebte. Dieser Künstler malte bereits in jungen Jahren viele hervorragende Bilder, doch als er das achtzigste Lebensjahr erreichte, begann er plötzlich Werke zu schaffen, die den früheren weit überlegen waren – als stünde er in voller, prachtvoller Blüte. Jedes Mal, wenn ich seine Gemälde sehe, wird mir zutiefst bewusst, dass der Mensch eigentlich erst mit achtzig fähig ist, wirklich gute Werke zu schaffen.

Der Mensch wird als Baby geboren, wird ein Junge, durchläuft die Jugend, die Blüte des Lebens und kehrt schließlich, bevor er sein Leben beschließt, wieder zum Baby zurück. Dies ist meiner Meinung nach die idealste Lebensform.

Ich glaube, Sie würden mir zustimmen, dass der Mensch in den Tagen seiner zweiten Kindheit fähig wird, reine Werke hervorzubringen – frei von jeglichen Einschränkungen.

Ich bin nun siebenundsiebzig (77) Jahre alt und bin überzeugt, dass mein eigentliches Werk gerade erst beginnt.

Lassen Sie uns um des Films willen gemeinsam durchhalten.

Mit den herzlichsten Grüßen
Akira Kurosawa

Grafik wurde von Grzegorz Marzewski erstellt.

Diese Grafik erscheint nicht im Buch und wurde ausschließlich für diese Website erstellt. © Jarosław Marek Spychała. Alle Rechte vorbehalten.

Ich bin die Generation, die mit dem Film Star Wars aufgewachsen ist. Meinen ersten Film aus dieser Reihe hatte ich das Glück, als sechsjähriger Junge im Kino zu sehen: Star Wars, Episode IV – Eine neue Hoffnung. Die Welt, in der ich lebte – ich meine hier Polen der 70er und 80er Jahre – war eine schwarz-weiße, graue Welt, in der alles an die Realität aus Orwells Büchern erinnerte. Als ich damals im Kino, in dem absolute Stille herrschte, zum ersten Mal Star Wars sah, war ich davon völlig überwältigt.

Heute sind all diese Bilder längst verblasst, aber die Worte, die ich damals im Kino hörte, sind bis heute bei mir geblieben. Und ich erinnere mich daran, wie in der letzten Szene des Films, als die Rebellen glauben, dass alles verloren ist, Luke Skywalker in buchstäblich letzter Sekunde den Todesstern besiegen konnte. Und dann ertönt die Stimme seines Meisters Obi-Wan Kenobi, der sagt: „Möge die Macht mit dir sein. Immer.“ („The Force will be with you. Always.“)